Montag, 9. Februar 2026

Bericht: Besuch und Gedenken an der Gedenkstätte Buchenwald

Letzten November wurden wir von Genoss*innen nach Weimar eingeladen, um zusammen eine Führung durch das ehemalige KZ Buchenwald zu begehen und währenddessen den Opfern des Faschismus zu gedenken, aber auch um ihren Widerstand zu ehren.

Die ersten Eindrücke haben wir auf unseren Instagram Konto veröffentlicht, es folgt nun unser ausgearbeiteter, ausführliche Bericht, in dem wir auch nochmal im Detail auf einzelne Inhaltsschwerpunkte eingehen. 

Wir haben sehr viel gelernt, vor Allem über Dinge, die sonst in den Hintergrund gedrückt werden, wie der von Zwangsarbeit und Gewalt betroffenen Frauen im Lagerbordell. Deren Schicksal machte alle von uns zu tiefst betroffen, und doch sind wir dankbar, dass besonders ihre Geschichten an diesem Tag erzählt wurden. 

Wir durften auch die Orte besichtigen, wo unter menschenfeindlichsten Bedingungen Widerstand erwuchs und sich Menschen zusammenschlossen, um sich gegen ihre Peiniger zu verteidigen und es schließlich schafften sich selbst zu befreien und letztendlich den Schwur von Buchenwald ablegten. 

Die Toten mahnen uns!


Gedenken im ehemaligen KZ Buchenwald

An dem frostigen Sonntagmorgen versammelten sich mehr als 20 Arbeitersportler*innen, um
gemeinsam nach Weimar zu reisen. Dort angekommen, wurden wir von unseren Freund*innen und Genoss*innen in Weimar direkt am Bahnhof begrüßt. Unsere Gruppe verdoppelte sich nun als auch Interessierte aus Thüringen sich uns anschlossen. Von Weimar ging es dann auf der sogenannten „Blutstraße“ mit dem Bus auf den Ettersberg.

Hier möchten wir noch einmal feststellen, dass es uns unmöglich ist in diesem Bericht alle Inhalte, mit denen wir uns auseinandergesetzt haben, komplett wiederzugeben. Wir wollen hier eine Zusammenfassung bieten, die nur im Ansatz dem Aufwand der Vortragenden gerecht werden kann und schon gar nicht dem Leid und dem Widerstand der Häftlinge. Wir wollen uns an dieser Stelle auch nochmal für die Recherche, die Betreuung und den freundlichen Empfang von den Menschen vor Ort bedanken. Ohne euch wäre dieser Ausflug nicht möglich gewesen! 

Nun zurück zu unserer Gruppe, die nun auf reichlich 50 Personen angewachsen war. Oben angekommen, erstreckte sich das riesige Areal, des 1937 errichteten Konzentrationslagers Buchenwald. Alles was wir sehen konnten aus dieser Zeit, wurden durch Zwangsarbeit von den Häftlingen selber erbaut, so auch die „Blutstraße“, die wir eben hochgefahren waren. Über diese Straße wurden tausende Häftlinge über diese Straße hochgetrieben, wo sie nicht selten blutig geschlagen das Lager erreichten. 

Das Lager umfasste auch Unterbringungen für 2000-3000 Mitglieder der Waffen-SS. Im Frühjahr 1945 befand sich sogar in den Kasernen der letzte Sitz deren Führungshauptamtes. Doch auch ein eigener Bahnhof wurde auch für das Lager errichtet, zusätzlich zu Werkstätten, Barackenbereichen für die Häftlinge und anderer Infrastruktur. Das Lager war ursprünglich für 8000 männliche Häftlinge ausgelegt, zwischenzeitlich wurden hier über 80.000 Menschen inhaftiert. 

Das erste dieser Sonderlager entstand nach dem Novemberpogromen 1938. Mehr als 9.800 jüdische Männer wurden damals nach Buchenwald verschleppt. Da das Lager völlig überfüllt war, errichtete die SS in großer Hast fünf große, unbeheizte Notbaracken auf einer Fläche am westlichen Rand des Appellplatzes. Diese Gebäude hatten keine Böden, keine Öfen, keine Fenster – und waren mit je etwa 2.000 Männern massiv überfüllt. Die Lebensbedingungen waren katastrophal: Hunger, Frost, fehlende Latrinen, Krankheiten und brutale Misshandlungen. Viele Männer starben.

An dieser Stelle musst erwähnt werden, dass der Mythos, dass die Deutschen in Weimar nichts von dem Lager hätten mitbekommen können, sehr schnell zerschlagen werden kann. Allein dadurch, dass die Körper der Ermordeten bis zum Bau des lagereigenen Krematoriums im Stadtkrematorium verbrannt. Zudem erstreckte sich das Terror- und Arbeitssystem von Buchenwald über ein riesiges Netz an Außenlagern, Kommandos und Produktionsstätten deutschlandweit. Das Lager auf dem Ettersberg, was wir heutzutage als Buchenwald kennen, war kein isolierter Ort. 

 

Unser Weg führte uns vom Bahnhof über den Carachoweg zum Eingang des Lagers. Vor dem Haupteingang angekommen fällt einem sofort die Innschrift auf, die nur von innen lesbar ist. Sie soll sich ausschließlich an die Insassen richten: „Jedem das seine.“ Für die Nationalsozialisten bedeutete dieser Satz eine Legitimation ihres Terrors und Mordes. Die Inschrift dient als ideologische Selbstbestätigung. Allerdings steckt in ihr auch eine Geschichte des Widerstands, denn sie wurde gefertigt und entworfen von einem Häftling, nämlich Franz Ehrlich

Er war gelernter Architekt und Topograf, ausgebildet im Bauhaus in Dessau. Wegen seiner Mitgliedschaft in der KPD und seiner widerständigen Arbeit wurde er 1934 verhaftet, dem Hochverrat angeklagt und später nach Buchenwald verschleppt. Dort fiel sein Geschick auf und er wurde verpflichtet unter dem jungen Leiter des SS-Baubüros Robert Riedel zu arbeiten. Er nutzte diesen Zugang, um den Lagerwiderstand mit Materialien und Informationen zu unterstützen. Er entwarf auch den Schriftzug in einer klaren, modernen Bauhaus-Typografie, die eigentlich als „undeutsch“ und „entartet“ geächtet war. Eine stille Geste des Widerstands, die der SS nie bewusst wurde, aber allen die das Bauhaus kannten als subversiver Akt verstanden wurde, mitten im Herzen des Todeslagers. 

Vor dem Lager stehend sieht man auch die Uhr, welche auf 15:15 feststeht. Sie wurde bewusst angehalten, um den Zeitpunkt zu markieren, als die SS am 11. April 1945 die Kontrolle über das Lager verlor. Um diese Uhrzeit übernahm der Lagerwiderstand die Macht im Inneren, entwaffnete die Wachposten und hisste am Turm des Tores die weiße Flagge. Das minutiös geplante Morden und Leiden war gebrochen und die Uhr markiert den Zeitpunkt der Selbstbefreiung des Lagers!

Wenn man heute durch das Tor tritt, sieht man nur noch einen Teil des ehemaligen Lagergeländes, was gerodet wird. In diesem Lagerkomplex, von fast 400.000m2, wurden 277.800 Häftlingen, davon 30.000 Jugendliche und Kinder, 28.230 Frauen und 249.570 Männer, gefangen gehalten. Man geht von 56.000 Toten aus und insgesamt 1944 Männer, Frauen und Kinder, die anhand Todestransporten nach Auschwitz verschleppt wurden. Dazu kamen 9000 SS-Wachpersonal, von denen 79 verurteilt wurden. 

Von den Baracken sind nur noch die Grundrisse übrig geblieben. Innerhalb der Baracken lebten Hunderte Männer, zusammengepfercht auf dreistöckigen Holzpritschen. Man war Kälte und Hitze ausgeliefert, innerhalb herrschte ein Gestank von Schweiß, Krankheit und nasser Kleidung, dazu kam noch das Ungeziefer. Neben den Wohnbaracken gab es auch Funktionsbaracken, wie die "Desinfektionsbaracke", in der die Häftlinge entkleidet, rasiert und desinfiziert wurden. Ein Verfahren, entworfen um zu Demütigen und ein Akt bewusster Entwürdigung. 

Unweit des Tores hielten wir an der Gedenkplatte an, die am Ort des ehemaligen Appellplatzes des Konzentrationslagers in Buchenwald. An diesem Ort, einer Woche nach Ihrer Selbstbefreiung, am 19. April 1945 errichteten die ehemaligen Häftlinge einen Obelisken aus Holz, gedachten allen Ermordeten und leisteten den Schwur von Buchenwald:


„Wir werden den Kampf erst aufgeben, wenn der letzte Schuldige vom Gericht aller Nationen verurteilt ist. – Die endgültige Zerschmetterung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ideal.“

Heute sieht man an dieser Stelle eine Gedenkplatte in den Boden eingelassen, die durchgängig auf 36,5 Grad erwärmt wird, die Durchschnittstemperatur des menschlichen Körpers. Auf ihr sind über 50 Nationen und verfolge Bevölkerungsgruppen eingraviert, die das internationale Leiden und die Weitläufigkeit der Verbrechen deutlich machen. Wir nahmen dieses Mahnmal zum Anlass, um eine Schweigeminute abzuhalten und Blumen niederzulegen, um allen Toten des Konzentrationslagers Buchenwald zu gedenken.

Wir hielten auch vor dem „Krankenbau“, ein Ort mit doppelter widersprüchlicher Bedeutung. Er war einerseits eine Einrichtung, die den Namen „Krankenpflege“ kaum verdient hat. Er war ein Ort des Tötens, der Selektion, der Experimente. Und zugleich war er einer der wenigen Orte im Lager, an dem Häftlinge versuchten, einander zu retten und ein kleines Stück Menschlichkeit zu bewahren. Die SS nutzte den Krankenbau für medizinische Morde. Schwerkranke Häftlinge erhielten gezielt tödliche Injektionen. SS-Ärzte wie Eisele, Ding-Schuler oder Schiedlausky entschieden willkürlich über Leben und Tod – oft innerhalb weniger Sekunden. Vor allem Menschen mit Infektionen, Verletzungen oder Erschöpfung galten für die SS als ‚arbeitsunfähig‘ und wurden getötet oder in Bereiche ohne jede Versorgung verschoben, in denen sie starben.

Nach dem „Krankenbau“ kamen wir an den rand des ehemaligen Lagers, wo die Bäume schon gar nicht mehr gerodet werden heute. Hier war eine kleine Informationstafel angebracht, die auf das ehemalige Lagerbordell hinweisen soll. Hier wurde uns berichtet, wie in Teilen des KZ Komplexes ein Prämiensystem eingeführt wurde, um die Leistungen der Zwangsarbeiter zu steigern. Dazu gehörten zusätzliche Rationen, Zigaretten, Gestattung besserer Briefkommunikation oder andere kleine Verbesserungen. 

Ab 1943 wurde auch das Bordell ein fester Bestandteil dieses Belohnungssystems. Dies stellt ein Teil in diesem perfiden System dar, indem Frauen auf doppelte Art und Weise ausgebeutet wurden, nicht nur ist es eine Art von Zwangsarbeit für Frauen, auch ist das Gefangenhalten von Frauen zur sexuellen Belohnung von männlichen Häftlingen eine Form sexueller Gewalt. Man hätte zur Arbeitssteigerung die Lebensmittelrationen erhöhen können. Was für viele Insassen lebensnotwendig gewesen wäre, dies war aber „zu teuer“, die strukturelle Gewaltausübung an den Frauen dagegen kostenlos.

Im Sommer 1943 kamen 16 Frauen vom KZ Ravensbrück nach Buchenwald und erfuhren dort für welche Art der Zwangsarbeit sie ausgesucht wurden waren. Bis zum Frühjahr 1945 entstanden zehn KZ-Bordelle. Jüdische Frauen waren von der Arbeit ausgeschlossen. Viele politische Häftlinge lehnten den Besuch in den Bordellen aus politischen Gründen ab und in Buchenwald wurde sogar teilweise dagegen protestiert. 

Die Frauen, die dieser Zwangsprostitution ausgesetzt wurden, durften nicht schwanger werden, mussten also abtreiben oder wurden zwangssterilisiert. Die Hygiene wurde auf entwürdigende Weise durchgesetzt. Die Frauen wurden nicht nur durch die SS, sondern auch durch Häftlinge selbst stigmatisiert und der Vorwurf der Freiwilligkeit und Hafterleichterung hielten sich hartnäckig. Die Überlebenden litten ein Leben lang an den psychischen und physischen Folgen des Missbrauchs und der Zwangsprostitution. 

Das Bordellsystem wurde lange verschleiert. Auch nach der Befreiung 1945 verschwieg man das System hinter den Lagerbordellen und die Ausbeutung der Frauen lange, wie es damals in einer Direktive der Lagergemeinschaft Buchenwald heißt: Um Missverständnissen vorzubeugen. Die Aufarbeitung wurde noch lange nach dem zweiten Weltkrieg von ehemaligen Häftlingen, der DDR und auch der BRD verharmlost und nicht als spezielle Form der Zwangsarbeit oder als sexuelle Gewalt anerkannt. 

Uns wurde dies geschildert auch durch die Hilfe einer Zeitzeugin, die mit unter den ersten Frauen waren, die nach Buchwald verlegt wurden. Maria W. teilte mit vielen weiteren Frauen, das Schicksal der Zwangsprostitution und den Folgen dieser für ihr zukünftiges Leben, sowie der Missachtung und fragmentierten Aufarbeitung ihrer Geschichten. Maria W. verstarb im Oktober 1990. 

Hier legten Frauen aus unserer Gruppe Blumen nieder, um ihren Schwestern zu gedenken, die nicht nur Gewalt während ihrer Inhaftierung erleben mussten, sondern auch danach um Anerkennung und gegen Verleumdung kämpfen mussten. Es ist wichtig dass ihre Geschichte erzählt wird. 

Nach diesem Teil, der uns alle tief betroffen gemacht hatte, ging es weiter, denn ein paar Schritte weiter lag das ehemalige „Kleine Lager“. Ursprünglich war es als Quarantänelager für Neuankömmlinge konzipiert. Ab 1942/43 entwickelte es sich zum schlimmsten Teil innerhalb des Lagerkomplexes für alle Menschen, die als „arbeitsunfähig“ eingestuft wurden, das heißt besonders Kinder und Jugendliche wurden hier untergebracht. Trotz dieser Bedingung versuchten die Häftlinge die Kinder des Lagers zu schützen im Block 66, dem Kinderblock. Durch den Lagerwiderstand wurden Listen manipuliert und so versucht diese vor schwerer Zwangsarbeit und Missbrauch zu schützen. 

Wenn man solche Dinge an so einem Ort erzählt bekommt, ist es schwer, wenn nicht unmöglich sich das Grauen und Leid vorzustellen oder nachzuvollziehen. Manchmal hilft es, wenn man sich auf andere Weise dem Geschehenen nähert. So beendeten wir diesen Teil der Führung mit Ausschnitten aus dem Gedicht von Johannes R. Becher, Kinderschuhe aus Lublin

An dieser Stelle empfehlen wir allen Leser*innen, dieses Gedicht einmal aufzurufen und sich durchzulesen. Hier nur einmal die letzten Verse:

Es wird die Sonne brennend scheinen.
Die Wahrheit tut sich allen kund.
Es ist ein großes Kinderweinen,
ein Grabgesang aus Kindermund....
 
Der Kindermord ist klar erwiesen.
Die Zeugen all bekunden ihn.
Und nie vergess ich unter diesen
die Kinderschuhe aus Lublin

Die Stunden in der Kälte hatten Ihre Spuren hinterlassen, sodass wir uns kurz innerhalb des jetzigen Lagermuseums aufwärmen mussten. Auf dem Weg dorthin liefen wir an den Lagerlatrinen vorbei. Ein Ort im Randbereich des Lagers, der schmutzig, und schwer zu kontrollieren war. Dies hieß auf der anderen Seite, ein wenig Schutz der Häftlinge vor dem Zugriff der SS und an solchen Orten organisierte sich der Widerstand im Lager. 

Dieser war nicht zufällig und spontan, sondern fußte auf jahrelanger Arbeit von Häftlingen, darunter viele Kommunist*innen und Sozialist*innen. Sie wussten, dass sie Schlüsselpositionen im Lager besetzen mussten, um einander zu helfen und zu überleben. Von dort hatte man Zugriff auf mehr Informationen, und konnte auch Listen verändern, Diagnosen anpassen und so versuchen vor Allem Jugendliche zu schützen.

Aus diesen Strukturen entstand das Lagerkomitee, später Internationales Lagerkomitee, in dem Vertreter der verschiedenen Nationen und politischen Richtungen zusammenarbeiteten. Es schützte Kinder und Jugendliche, indem es sie in weniger gefährliche Blöcke oder Werkstätten verlegte. Es manipulierte Transportlisten, um besonders gefährliche Außenkommandos oder Todestransporte zu vermeiden. Es half Neuankömmlingen mit Kleidung und Nahrung aus. Es versteckte gefährdete Häftlinge im Krankenbau oder in Werkstätten. Es sammelte Waffen, Munition und Ausrüstung, die aus SS-Beständen entwendet oder in Werkstätten heimlich hergestellt wurden.

Als sich im Frühjahr 1945 abzeichnete, dass die Front näher rückte und die SS das Lager räumen wollte, traf das Komitee strategische Entscheidungen: Es drängte darauf, möglichst viele Häftlinge im Lager zu halten, statt sie auf Todesmärsche zu schicken, und bereitete gleichzeitig einen bewaffneten Aufstand vor, falls die SS einen Massenmord plante. Am 11. April 1945 kulminierte diese jahrelange Arbeit. 

Während sich die SS-Einheiten zurückzogen und Chaos entstand, aktivierten die Widerstandsgruppen ihren Plan: bewaffnete Häftlingskommandos besetzten Wachtürme, entwaffneten übrig gebliebene Wachposten und übernahmen das Lager. Die weiße Fahne erschien auf dem Lagerturm, die Uhr über dem Tor wurde später auf jene Zeit gestellt, die symbolisch für diesen Moment steht. Der Widerstand bestand aus vielen unscheinbaren Handlungen, die trotz Hunger, Terror und Todesangst begangen wurden. Die Selbstbefreiung war das Resultat dieser konstanten und unsichtbaren Arbeit und den vielen Opfern, die dafür gebracht wurden. 

Auf dem Rückweg durch das Lager hielten wir noch an einem Gedenkstein für die ermordeten und verschleppten Frauen. Ab Mitte des Krieges stieg die Zahl der inhaftierten Frauen deutlich; sie waren Widerstandskämpferinnen, Jüdinnen und Angehörige von als „asozial“ betitelten Bevölkerungsgruppen, wie Homosexuellen, Prosituierte und Sintizze und Romnja. Auch Buchenwald besaß eine Frauenbaracke und eine Vielzahl von Außenlagern mit Frauenlagern, wo Frauen auf verschiedenste Art und Weise ausgebeutet und missbraucht wurden. In der nationalsozialistischen Ideologie wurde die Frau als minderwertig angesehen, die dem Mann dient und Kinder erzieht und gebärt.

Der Alltag der Insassinnen war von Gewalt und Terror geprägt, auf die wir hier in diesem Bericht unmöglich so detailliert eingehen können, wie es bei der Führung gemacht wurde. Abschließend möchten wir jedoch diesen Teil des Berichtes so wie die Referentin es auch gemacht hat: 

„Ich habe viel über die Frauen im Konzentrationslager gesprochen, die unter unmenschlichsten Bedingungen arbeiten mussten, ausgebeutet und missbraucht wurden. Frauen, die sich gegenseitig solidarisch unterstützten und Widerstand zeigten – sowohl im Lager als auch außerhalb. Doch mit diesen Worten möchte ich den unzähligen Frauen gedenken [...] Um es mit den Worten von Danuta Brzosko-Medryk zu sagen: Niemand nahm Abschied. Niemand errichtete ein Kreuz oder einen Stein. Doch ihr lebt. Solang sich Menschen eurer erinnern.“

Die letzte Station unserer Führung auf dem ehemaligen Lagergelände führte uns durch das Krematorium, wo so viele Menschen ihren Tot fanden. Dieses Krematorium wurde mit Hilfe der Erfurter Firma „Topf und Söhne“ erbaut, die bei dem Massenmord mit halfen. Das Unternehmen war ein Schlüsselakteur bei der Konzipierung des industriellen Vernichtungskomplexes des Dritten Reiches. Bei den Nürnberger Prozessen blieben die verantwortlichen geschont erst später wurden sie zur Verantwortung gebracht.

Wir verließen nun den Lagerkomplex und machten uns auf den Rückweg in Richtung Weimar. Dort machten wir noch ein Gruppenbild an der Statue von Ernst Thälmann. Als Vorsitzender der KPD wurde er im März 1933 in Berlin verhaftet und verbrachte Jahre lang in sogenannter "Zuchthaft", bis er einen Tag vor seiner Hinrichtung nach Buchenwald verschleppt, und schließlich am 18 .August 1944, auf persönlichen Befehl Hitlers, ermordet wurde. Er wird in Buchenwald in Form einer Gedenktafel im Hof des ehemaligen Krematoriums, welches 1953 von der DDR eingerichtet wurde, geehrt.

Auf dem Foto ist ein Teil des Schwurs von Buchwald zu lesen. Unser Kampf ist ihr Kampf und es ist unsere Verpflichtung, dass so ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit nie wieder stattfindet. Wir stellen uns gegen jeden Völkermord und für den Aufbau einer neuen Welt. 

Zum Abschluss unseres Aufenthaltes wurden wir noch zu einer leckeren veganen Tomatensuppe eingeladen, die Genoss*innen für uns vorbereitet hatten und die uns sehr half beim aufwärmen. Dazu konnten wir uns über das Gelernte austauschen, anfangen Emotionen und Gefühle zu verarbeiten und zur Ruhe kommen. 

Dieser schöne Raum wurde schließlich durch ein Rumänisch-Jüdisches Paar vervollständigt, welches uns ein kleines Konzert gab von Liedern, die von Befreiung und Sozialismus handelten. 

Wir bedanken uns bei allen Menschen, die diesen lehrreichen Tag ermöglicht haben. Wir schätzen eure Recherche, die Fürsorge und die Organisationsarbeit, die ihr an diesem Tag und davor für uns geleistet habt. 

Tausend Dank!